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Düsseldorf, 14. Juni 2018

Digitalisierung: Wie weit ist die deutsche Metallindustrie?

Die deutsche Metallindustrie liegt bei der Digitalisierung im Vergleich zu anderen Branchen im oberen Mittelfeld. Die Stahlbranche kann innerhalb des Wertschöpfungnetzes als Enabler Digitalisierungspotenziale erschließen. Großunternehmen haben die Nase vorn. Der Mittelstand muss aufpassen, den Anschluss nicht zu verpassen.
Der vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte „Monitoring Report Wirtschaft Digital 2017“ zeigt, dass es im Bereich der Digitalisierung deutliche Unterschiede innerhalb der verschiedenen Branchen gibt. Die Marktforscher untersuchten zum Beispiel, inwieweit sich die Unternehmen vernetzen. ITK-Unternehmen kamen dabei auf einen Vernetzungsgrad von 77 Prozent. Damit liegen sie deutlich vorne. Industrieunternehmen liegen dagegen im oberen Mittelfeld mit Werten zwischen 45 bis 41 Prozent.

Digitale Transformation macht Stahlbranche wettbewerbsfähiger

In der Studie „Potenziale des digitalen Wertschöpfungsnetzes Stahl“ geben vier von fünf Unternehmen (80,2 Prozent) an, dass sich die digitale Transformation positiv auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. 92,3 Prozent sind der Meinung, dass sie zukünftig an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen, wenn sie sich nicht an der digitalen Transformation beteiligen. Die digitale Transformation stärkt in der Stahlbranche zudem die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden. 63,5 Prozent der Abnehmer von Stahlprodukten bewerten die digitale Transformation als bedeutend für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.

Stahlbranche nimmt strategische Rolle ein

Innerhalb der Metallbranche nimmt vor allem die Stahlbranche eine strategische Rolle ein, wenn es um die digitale Transformation geht. Denn sie steht am Beginn bedeutender wirtschaftlicher Wertschöpfungsnetze. Dadurch kann gerade diese Branche ihren Kunden wesentliche Digitalisierungspotenziale eröffnen. Die Studie zeigt, dass die Stahlindustrie für gut ein Viertel der Unternehmen (28,3 Prozent) aus den nachgelagerten Branchen durch die digitale Transformation an Bedeutung gewinnen wird. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) liegt der Anteil sogar bei 32,7 Prozent.
Die Studie zeigt auch, dass die Stahlindustrie als Enabler für die nachfolgenden Partner im Wertschöpfungsnetz fungiert. Folgende Impulse gehen dabei von der digitalen Stahlindustrie aus: Die Innovationsfähigkeit wird durch Kooperationen bei der digitalen Transformation erhöht. Das Produktportfolio der Stahlabnehmer wird durch digitale Komponenten aus der Stahlindustrie erweitert. Wertschöpfungsprozesse werden durch Echtzeitvernetzung optimiert und beschleunigt. Eine Hybridisierung führt zu mehr Lösungsangeboten in den nachgelagerten Branchen. Virtualisierung erhöht die Effizienz und lässt neue Geschäftsmodelle entstehen. Und durch digitale Produkt- und Prozessabbilder entstehen verkürzte Produktionszyklen.

Mittelstand darf Anschluss nicht verpassen

Der „Digitalsierungsindex Mittelstand“ stellt fest, dass inzwischen bei 43 Prozent der mittelständischen Industrieunternehmen die Digitalisierung fester Bestandteil der Geschäftsstrategie ist. Das entspricht einem Anstieg von 13 Prozent verglichen mit dem Jahr 2016. Dabei liegt die Metallbranche beim Grad der Vernetzung deutlich vor der Prozessindustrie: Die digitale Vernetzung der Produktionsanlagen fällt mit 34 Prozent höher aus als in der Prozessindustrie (24 Prozent).
Doch der Digitalisierungsindex zeigt beim Blick auf die Unternehmensgröße auch deutliche Unterschiede auf: Kleine Industrieunternehmen (bis 49 Mitarbeiter) erreichen nur einen Indexwert von 51 Punkten. Unternehmen ab 50 Mitarbeiter springen dann über die Schwelle von 60 Indexpunkten. Große Unternehmen sind die Treiber. Da sich kleinere Unternehmen oftmals zögerlich verhalten, laufen sie Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Leiten sie die Digitalisierung zu spät ein, ist der Vorsprung globaler Wettbewerber unter Umständen bereits zu groß!

Fazit

Maßnahmen zur Umsetzung der digitalen Transformation sind bereits Bestandteil des modernen Geschäftslebens in der Metallbranche. Großunternehmen, die im Digitalisierungsprozess bereits weiter fortgeschritten sind, sollten jetzt auf eine nachhaltige Vernetzung setzen. Es gilt, alle am Wertschöpfungsnetz beteiligten Partner bestmöglich zu integrieren, um die Potenziale der digitalen Transformation voll ausschöpfen zu können. In diesem Zusammenhang wird es in Zukunft auch wichtiger, alle Mitarbeiter in den Unternehmen mit einzubeziehen. Sie müssen für den digitalen Wandel sensibilisiert und aktiv in den Prozess mit eingebunden werden. Nur so kann sich der Wandel nachhaltig etablieren.
Mittelständische Unternehmen müssen ihre Zögerlichkeit überwinden. Sie sollten die Vorteile der Digitalisierung nutzen, um ihre Kosten zu senken, ihre Umsätze zu steigern und so wettbewerbsfähiger zu werden. Dabei stellt der digitale Wandel besonders KMUs vor technische, finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Deshalb sollten gerade sie sich Unterstützung durch externe Partner suchen, die sie bei der Erschließung ihrer digitalen Potenziale unterstützen können.

Lesen Sie jetzt auch den „Monitoring Report Wirtschaft Digital 2018".