Düsseldorf, 24. Juli 2017

Industrie 4.0 zum Anfassen

SMS group stellt Prototyp für eService-Plattform vor

Auf der Tube & wire 2016 konnten die Anlagenbetreiber eine konkrete Vorstellung davon gewinnen, was die Zukunft mit digitalen Produkten und Smart-Services der SMS group bringt.

Der Service-Bereich präsentierte einen funktionsfähigen Prototyp einer eService-Plattform mit integriertem elektronischen Ersatzteilkatalog, der über eine ganze Reihe smarter Funktionen verfügt und damit die Instandhaltung und Ersatzteilbeschaffung beschleunigt und für mehr Flexibilität und Transparenz bei allen Prozessbeteiligten sorgt. Dr. Dirk Oedekoven, Vice President Technical Service, SMS group: „Die Besucher waren von unserer Lösung begeistert. Am konkreten Beispiel der Auslaufführung einer Schälmaschine konnten wir zeigen, welche enormen Vorteile die Digitalisierung im Service bietet. Dies ist ein wichtiger Baustein. Die SMS group arbeitet darüber hinaus intensiv an weiteren Lösungen.“ Elektronische Ersatzteilkataloge – auch mit Online-Verfügbarkeit – gibt es schon länger; es stellt sich daher die Frage: Was genau macht dieses neue System der SMS group so besonders?

Design Thinking erfüllt Kundenbedürfnisse

Dazu einer der verantwortlichen Entwickler André Peschen, Produktmanager Prozesse & eService: „Unser digitales Produkt bietet deutlich mehr Vorteile und intelligentere Funktionen, als es bisher der Fall war. Das fing schon bei der Entwicklung an. Bei Kundenbesuchen wurden Bedürfnisse und Pain Points mit einem radikal nutzerzentrierten Ansatz identifiziert. Design Thinking fördert kollaborative Kreativität, um Probleme ganzheitlich und im Sinne des Kunden zu lösen. Mithilfe dieser Methodik war ein sogenanntes Rapid Prototyping möglich und wir konnten erste Ansätze in Form von Scribbles und Clickdummys präsentieren. Wir standen also während der gesamten Entwicklung immer in einem engen Dialog mit den Kunden. Damit konnten wir dann sehr konkret und in einem sehr frühen Stadium Optimierungen und Kundenvorstellungen berücksichtigen.“

Zu den wichtigsten Neuerungen der SMS-Lösung zählt, dass die Kunden direkt an der Maschine das betreffende Bauteil ermitteln können und unmittelbar wichtige Informationen zu Ersatzteil-Paketen erhalten. Mit einem Tablet-PC können sie einen QR-Code am Bauteil scannen und erhalten dann die betreffende Baugruppe direkt angezeigt. André Peschen: „Zur Identifizierung sind aber auch andere Technologien, wie zum Beispiel die RFID-Technologie oder OCR-Erkennung von Schrift möglich.“ Auf der Zeichnung kann der Benutzer dann die entsprechenden Bauteile auswählen. Je nach Auswahl wird direkt auch die zugehörige Stückliste angezeigt. Fotos und andere Zusatzinformationen helfen, das richtige Bauteil noch einfacher zu identifizieren. Gleichzeitig können die Verfügbarkeit (beispielsweise in einem Konsignationslager) und Kosten sowie Liefertermine geprüft werden. Per Warenkorbfunktion könnte dann das Ersatzteil natürlich auch komfortabel bestellt werden.

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1. So einfach kann es in Zukunft sein: QR-Code der Baugruppe scannen.
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2. Auf dem iPad erscheint eine Zeichnung der betreffenden Baugruppe.
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3. Der Bediener (Instandhalter) kann nun die gewünschten Teile anwählen – die Teileliste passt sich automatisch an.
Ein Ersatzteilkatalog, der mitdenkt

André Peschen: „Selbstverständlich kann der User auch über das Menü mit Baumstruktur das betreffende Teil schnell ausfindig machen. Eine Besonderheit ist, dass zu dem Ersatzteil weitere benötigte Teile angezeigt werden, beispielsweise zu einer Buchse die passenden Dichtungen. So erhält der Kunde direkt die Übersicht über komplette Reparatursets und spart Nachbestellungen, die wertvolle Zeit kosten.“

Dass das neue digitale eService-Produkt der SMS group die Anforderungen unterschiedlicher Kunden erfüllt, erkennt man bereits am Prototyp. Für die Testversion wurden unterschiedliche Anlagen abgebildet. Neben der Schälanlage, waren verschiedene Kaltpilgerwalzwerke und sogar eine komplette Drahtstraße katalogisiert worden. Bei letzterer wurde neben der Hauptanlage auch ein angeschlossenes Konsignationslager mit sämtlichen Informationen angelegt. Da alle Anlagen der SMS group individuell sind, wird jeder Kunde, der den Service in Anspruch nimmt, sein Equipment auf der Plattform über einen personalisierten und geschützten Bereich erreichen können. Ziel dabei war es, eine sogenannte „Full Bill of Material“ abzubilden, quasi den digitalen Zwilling der eigentlichen Anlage.

André Peschen erklärt die Hintergründe: „Das ist eine der großen Herausforderungen, die wir dank moderner Software- Tools beherrschen. Wir führen über Schnittstellen die häufig sehr heterogenen Daten und Zeichnungen unter einer einheitlichen Oberfläche zusammen. Das war auch einer der wesentlichen Wünsche der Kunden. Sie wollen nicht in unterschiedlichen Quellen und nach unterschiedlichen Methoden die Ersatzteile finden. Wir werden für jede Kundenanlage homogene Informationen und Zeichnungen bereitstellen – inklusive der Teile unserer Unterlieferanten. Bei einer Minimill können das schnell mehrere hunderttausend Stücklistenpositionen und etliche Zeichnungen sein, die miteinander verlinkt sind. Es ist also ungefähr so, wie es der Kunde von der Usability im privaten Bereich bei Online- Shops gewohnt ist. Der Kunde sieht nicht die Komplexität hinter unserem eService, sondern für ihn wird es deutlich einfacher und schneller, um zum Ziel zu kommen.“

Integrierbare Service-Produkte

Der Elektronische Ersatzteilkatalog ist im Rahmen von Industrie 4.0 und eService eines der ersten konkreten digitalen Produkte der SMS group. Es beschränkt sich dabei keineswegs nur auf die mobile Tablet-Nutzung. Der User soll später über jedes Endgerät – auch via Desktop – auf seine geschützte „my SMS group“-Online-Plattform Zugriff haben. Dabei erhält er nach seiner Identifikation mit individuellen Sicherheitsmechanismen personifizierte Informationen angezeigt. Das heißt, der Kunde kann die Zugriffsberechtigungen je nach Aufgabengebiet steuern, wodurch ebenfalls eine Vereinfachung in der Bedienung erreicht wird. Je nach User werden dann nur die benötigten Module angezeigt; derzeit sind es beispielsweise die Themenbereiche „Equipment“, „Smart Alarm“ und „Best Contact“. Im Laufe der Zeit sollen die Module als digitale Produkte kontinuierlich erweitert werden, so dass der gesamte Service-Prozess digital abgebildet und unterstützt wird.

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4. Per Klick und Warenkorbfunktion kann nun ein Verschleißteil oder defektes Teil bestellt werden.
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5. Auch Verfügbarkeiten, Liefertermine und Dokumentationen können angezeigt werden.
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6. Wer Beratung wünscht, kann sich per Klick mit dem entsprechenden Experten verbinden lassen.
Erste Pilotprojekte für die smarte Technologie

Dr. Oedekoven: „Mit unserer Service-Plattform haben die Kunden einen zentralen Informationszugang, den sie ortsunabhängig nutzen können. Die Nutzerführung ist durch smarte Technologien denkbar einfach und führt die Kunden wesentlich schneller zum richtigen Teil beziehungsweise zu hinterlegten Informationen wie technischen Datenblättern und Bedienungsanleitungen. Unser Digitalisierungskonzept mit dem eService, hat auf der wire & Tube so sehr überzeugt, dass wir schon bald – gemeinsam mit unseren Kunden – erste Pilotprojekte starten. Ich denke, damit stellen wir als SMS group unter Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg zum Aufbau einer vernetzten Service- Intelligenz und digitaler Dienstleistungstransformation sind.“