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Mönchengladbach, 12. September 2019

Umfassender Service

Ausfallzeiten senken, Produktivität steigern und den Wert von Anlagen erhalten: Jochen Burg und Johannes Kahlen sind überzeugt, dass der Technische Service der SMS group für langfristigen Erfolg sorgt.

Herr Burg, wie wichtig sind in der heutigen Zeit Serviceprodukte für Anlagenbetreiber?

Jochen Burg: Sehr wichtig. Denn jeder Produktionsausfall oder Anlagenstillstand kostet den Anlagenbetreiber viel Geld. Daher sind Verfügbarkeit, Qualität und Planbarkeit die Grundvoraussetzungen für eine stabile und profitable Produktion. Mit den von uns angebotenen Serviceleistungen können Anlagenbetreiber ihre eigenen Produktionsfähigkeiten nachhaltig erweitern.

Welche Serviceprodukte bietet die SMS group an und welche Entwicklungen sind erkennbar?

Jochen Burg: Grundsätzlich entwickelt sich das Servicegeschäft ständig weiter. Die klassischen Serviceprodukte in den Feldern Ersatzteile & Logistik, Upgrades & Modernisierungen, Inspektionen & Reparaturen oder Training & Consulting werden sich durch den Einfluss der Digitalisierung revolutionieren. Wir arbeiten deshalb eng mit dem neu gegründeten Geschäftsbereich Digitalisierung zusammen. Denn wir möchten die Erkenntnisse und Möglichkeiten des lernenden Stahlwerks auch in unseren Servicedienstleistungen für unsere Kunden nutzen.

Herr Kahlen, im letzten Jahr wurden wieder viele Serviceprojekte erfolgreich von der SMS group abgewickelt. Welche davon sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Johannes Kahlen: Da gibt es viele Projekte, an die ich jetzt denken muss. Aber natürlich fallen einem auch direkt die großen Outsourcing- Projekte ein. Wie etwa bei unseren russischen Kunden MMK und NLMK oder bei Big River Steel in den USA, bei denen unsere Service- Kollegen Tag für Tag und Hand in Hand mit unseren Kunden die Instandhaltung von Stahlwerken, Walzwerken oder Bandveredelungsanlagen meistern. Herausheben möchte ich aber auch unsere Reparatur- und Modernisierungseinsätze vor Ort beim Kunden oder in unserem Hause. Insbesondere dann, wenn es sich um ungeplante Maschinenstillstände handelt, können wir durch unsere eigene Werkstatt flexibel reagieren. Mit dieser Möglichkeit konnten wir im vergangenen Jahr unter anderem unseren Kunden thyssenkrupp, SSAB oder der Deutsche Giessdraht GmbH einen erfolgreichen Service bieten. Nicht vergessen darf man dabei die termingerechte, erfolgreiche Abwicklung von vielen Tausend Ersatzteilbestellungen. Diese Serviceleistung wird auch weiterhin unser Kerngeschäft bilden. 

Diese Leistungen lassen sich nur mit qualifizierten Service-Experten bewerkstelligen. Wie ist der Technische Service der SMS group aufgestellt?

Jochen Burg: Weltweit beschäftigen wir über 3.300 Mitarbeiter, davon sind rund 500 Mitarbeiter in Deutschland im Einsatz. Wir sind an insgesamt 52 Standorten tätig, oftmals direkt im Werk des Kunden. Das zeigt, dass der Technische Service der SMS group global und kundennah aufgestellt ist. Jeder einzelne unserer internationalen Mitarbeiter zeichnet sich dabei durch eine Kombination aus technischem Wissen, Maintenance-Routinen und Betreiber-Know-how aus.

Die SMS group ist mit ihren weltweiten Werkstätten nah dran am Kunden. Welche Service-Produkte bieten Sie dem Kunden sonst noch an, damit eine schnelle Unterstützung trotz weiter Distanzen sichergestellt ist?

Johannes Kahlen: In unseren Werkstätten in Brasilien, China, Europa, Indien, Russland oder in den USA sind wir in der Lage, alle Kernprodukte der SMS group zu überholen. Vor allem unsere Instandhaltungsdienstleistungen beim Kunden werden zunehmend in Anspruch genommen. Hier betreiben wir Ersatzteillager bis hin zur Übernahme der gesamten Instandhaltung. Fast schon klassisch sind unsere Remote-Support-Leistungen in der Elektrik undAutomation. Ein neues Produkt ist die Fernunterstützung inklusive Augmented Reality, mit deren Hilfe sich unsere Service-Experten aus der Ferne ein Bild machen und helfen können.

Gibt es Produkte, die sich besonders gut verkaufen oder vermehrt nachgefragt werden? Und wenn ja, warum?

Johannes Kahlen: Jeder spricht derzeit von Digitalisierung und neuen Geschäftsmodellen. Man mag es kaum glauben, aber das klassische Ersatzteil in bewährter SMS group-Qualität bildet auch weiterhin eine tragende Säule unseres Servicegeschäfts. Diese Säule werden wir auch weiter ausbauen.

Jochen Burg: Für unsere Kunden spielt die Konzentration auf Kernprozesse und die damit verbundene Auslagerung von Instandhaltungsdienstleistungen eine immer größere Rolle. Leider geht auf Kundenseite immer mehr Fachwissen in den Ruhestand. Dem gegenüber steht eine immer komplexere Anlagentechnologie, um den Anforderungen der globalen Märkte gerecht zu werden. Unsere maßgeschneiderten Outsourcing-Konzepte und unsere langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet schaffen hier Planungssicherheit gepaart mit Kosteneffizienz.

Als Leading Partner in the World of Metals bietet die SMS group ihren Kunden den Technischen Service nicht erst nach der Inbetriebnahme der Anlagen, sondern schon weit vorher an. Wie können wir uns das vorstellen?

Johannes Kahlen: Bereits beim Bau der Anlagen sind wir in die Planung und Ausstattung, zum Beispiel der Erstreserve oder Warehousing- Lösungen, eingebunden. Zudem lässt sich mittels unserer Schulungskonzepte das Anlagenpersonal frühzeitig schulen. Die SMS TECademy bietet hierfür eine Vielzahl an Schulungen, die auch als Auffrischung genutzt werden können. So haben wir Anfang 2019 unseren Digital Classroom eingeweiht. Dort können Maintenance-Abläufe in einer virtuellen Umgebung an der Anlage einstudiert werden. Und das, bevor die reale Anlage errichtet ist. Ein enormer Vorteil für die schnelle und erfolgreiche Aufnahme des Anlagenbetriebs. Unseren Kunden bieten wir natürlich auch die Möglichkeit, dass die Instandhaltung direkt mit der Inbetriebnahme übernommen wird. Mit der Auslagerung von Instandhaltungsdienstleistungen, unserem TOS (Technical Outsourcing), halten wir dem Anlagenbetreiber den Rücken frei, so dass er sich nur noch um das Wesentliche kümmern muss – um den Produktionsprozess.

Johannes Kahlen, Geschäftsbereichsleiter Technischer Service, SMS group

"Unsere Serviceprodukte geben dem Anlagenbetreiber die Sicherheit, die er braucht, um sich ganz auf die Produktion zu konzentrieren.“

Sobald die Anlage des Kunden die Produktion aufgenommen hat, steht die SMS group als Leading Partner ebenfalls mit Serviceleistungen parat. Das muss doch ein beruhigendes Gefühl für den Kunden sein.

Jochen Burg: Das hoffe ich doch! Zumindest wird es mir von den Kunden so berichtet. Der Technische Service ist rund um die Uhr erreichbar. Das ist in der Tat ein beruhigendes Gefühl. Unsere Serviceleistungen bieten wir dabei sowohl für Neuanlagen und Modernisierungen an, aber auch für Anlagen, die nicht von der SMS group errichtet wurden.

Jochen Burg, Geschäftsbereichsleiter Technischer Service, SMS group

"Der Technische Service ist rund um die Uhr erreichbar – auch für Anlagen, die nicht von der SMS group errichtet wurden.“

Womit genau hebt sich der Technische Service der SMS group von seinen Wettbewerbern ab?

Johannes Kahlen: Die SMS group ist der einzige Anlagenbauer in der Metallurgie, der die ganze Prozesskette abdeckt. Wir sind damit auch der einzige Serviceanbieter weltweit, der den gesamten Maintenance-Bedarf unserer Kunden  abdecken kann. Des Weiteren spricht unsere Referenzlage für sich. Mit mehr als 30 Outsourcing- Projekten weltweit und der damit verbundenen Wartung ganzer Anlagenteile, offline wie online, beweisen wir Tag für Tag, dass wir dem Vertrauen unserer Kunden immer wieder gerecht werden.

Welchen Einfluss hat das Zeitalter der Industrie 4.0 auf den Technischen Service?

Jochen Burg: Die Digitalisierung spielt für den Service und seine Produkte eine wichtige Rolle. Wir haben bereits vor Jahren erste digitale Produkte geschaffen. Zu nennen sind hier beispielsweise unsere Smart-Maintenance-Solution- Produkte: elektronische Dokumentation (eDoc), Integrated Maintenance Management System (IMMS), Condition-Monitoring-Systeme (Genius CM®) oder Predictive-Maintenance-Ansätze. Diese und weitere Produkte, die bereits heute einen Einstieg ins digitale Zeitalter bieten, wollen wir kontinuierlich weitervernetzen. Zudem kommen Augmented-Reality- und Virtual- Reality-Anwendungen zum Einsatz. Die Eröffnung des Digital Classroom bietet hierfür ein aktuelles Beispiel. Abschließend möchte ich noch unser Digital Fact Finding erwähnen, mit dem wir jedem Kunden eine Bestandsaufnahme der „digital readiness“ bieten und möliche Handlungspfade aufzeigen.

Wo sehen Sie weitere Wachstumsfelder für das Geschäft des Technischen Services?

Jochen Burg: Wir blicken einer spannenden Zukunft entgegen. Zum einen eröffnet uns die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle und Wege. Zum anderen haben wir noch viele weiße Punkte in unserem Produktportfolio weltweit. Ich sehe somit vor allem einen weiteren Ausbau und eine Ergänzung unserer Serviceleistungen in allen Kernregionen. Damit wir auch weiterhin nah beim Kunden sind.

Johannes Kahlen: Aber auch die schnelle und kostengünstige Lieferung von Ersatzteilen wird weiter optimiert. Daher beschäftigen wir uns intensiv mit der additiven Fertigung. Erste Ersatzteile werden bereits gedruckt