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Düsseldorf, 26. Januar 2021

“Wir ermöglichen mehr Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge"

Joint venture Primobius zur Entwicklung und Vermarktung einer Technologie zum nachhaltigen Recycling von Lithium-Ionen-Batterien gestartet

Prof. Dr. Hans Ferkel, Chief Technology Officer der SMS group über das Joint Venture mit Neometals Ltd, den Bau einer Pilotanlage und warum sich SMS group um Batterierecycling kümmert. 

Herr Ferkel, Kürzlich hat die SMS group ein weiteres Joint Venture im Bereich des Batterierecyclings bekannt gegeben.

Hans Ferkel: Ja, wir haben ein 50:50-Joint-Venture mit dem Projektentwicklungsunternehmen Neometals Ltd., West Perth, Australien, gegründet. Das neue Unternehmen trägt den Namen Primobius GmbH.

Was ist der Unternehmenszweck der Primobius GmbH?

Hans Ferkel: Der Unternehmenszweck ist die Kommerzialisierung der gemeinsamen Recyclingtechnologie für Lithium-Ionen-Batterien. Hiermit können auf besonders nachhaltige Weise Wertstoffe aus Fahrzeugbatterien sowie aus Akkus für Elektronikgeräte zurückgewonnen werden. Dabei kombiniert die SMS group ihre umfassenden Erfahrungen im Bereich des Maschinenbaus und des Services mit dem Verfahrens-know-how von Neometals. Mit Primobius verfolgt die SMS group als Systemlieferant ihre kontinuierliche Strategie, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – unter anderem, um nachhaltige Wertschöpfungsketten zu ermöglichen. Der Gründung des Joint Ventures gingen intensive Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten voran, die in das nun zum Patent angemeldete Verfahren mündeten, das kürzlich erfolgreich in einem Pilotversuch getestet wurde. Wir setzen auf ein hydrometallurgisches Verfahren, bei dem über 90 Prozent der Legierungselemente zurückgewonnen werden können. Diese lassen sich wieder für die Batteriefertigung nutzen. Wir schließen somit den Prozesskreislauf. Batterieschrott wird wieder zu einer Batterie - auf eine sehr effiziente und ökologisch freundliche Art und Weise.

Welche Aufgaben übernehmen beide Partner im Joint Venture?

Hans Ferkel: Zwischen Neometals und SMS group war bereits 2019 ein Memorandum of Understanding geschlossen worden, im Rahmen dessen nicht nur eine technische Due Diligence durchgeführt wurde, sondern in dem auch der Standort der künftigen Demonstrationsanlage am deutschen SMS group- Standort in Hilchenbach festgelegt wurde. Nach den positiven Bewertungen wurde die gemeinsame Absichtserklärung in die Gründung eines Joint-Venture-Unternehmens überführt. Neometals wird das technische Know-how, einschließlich seiner Recyclingtechnologie, in das Joint Venture einbringen. SMS group wird das Engineering und den Bau der zukünftigen Recyclinganlagen beisteuern.

In welchen Regionen wird zukünftig diese Recyclingtechnologie zu finden sein?

Hans Ferkel: Diese Recyclingtechnologie ist gezielt auf die Bedürfnisse der weltweiten Hersteller von Lithium-Batterien und auf den weltweiten Elektrofahrzeugsektor ausgelegt. Der Markteintritt von Primobius trifft hierbei auf den stark wachsenden Anteil von Elektrofahrzeugen in der Mobilität. Unsere Recyclinglösung bedient diesen Trend, indem sie nachhaltiges Recycling von Batterien und ethisch verantwortungsvoll gewonnene Materialien für eine CO2-ärmere Batterieherstellung ermöglicht. Sie trägt damit insgesamt zu mehr Nachhaltigkeit der Lieferketten für die Herstellung von Lithium-Batterien bei.

Welche nächsten Schritte sind geplant?

Hans Ferkel: Als ersten Schritt plant das Joint Venture den Bau und die Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage in Hilchenbach, die bereits 1.000 Tonnen Batterien pro Jahr recyceln können wird. Dann folgt die technologische Optimierung zur Auslegung von dieser industriellen Pilotanlage zu einer späteren Großanlage. In der Demonstrationsanlage können potenzielle Kunden die aus eigenem oder externem Altbatteriematerial gewonnenen Materialien begutachten.

Wir sehen in diesem Sektor große Wachstumschancen. Wir werden mit unserer metallurgischen Erfahrung und unserem Know-how im Anlagenbau zu einem schnellen Anlaufen des kommerziellen Betriebs beitragen. Außerdem ist das Timing günstig, mit dieser Technologie schnell Fuß zu fassen und OEMs zu gewinnen, die erkannt haben, welches Potenzial sich durch das Schließen dieser Lücke in der Wertschöpfungskette der Batterieherstellung bietet. Weltweit erleben wir ein wachsendes Bewusstsein und entsprechende Maßnahmen zur Förderung nachhaltigen Handelns und neuer Formen der Kreislaufwirtschaft. Daher stehen wir voll und ganz hinter dem Projekt Primobius. Es ist geplant, dass wir die Demonstrationsanlage in der zweiten Jahreshälfte 2021 in Betrieb nehmen. Wir freuen uns auf Anfragen von potenziellen Kunden, die das Recycling ihrer Batterien dort erproben wollen.

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